Da sich meine Seite Mehr auf Fantasy und Mittelalter beschränkt, beginne ich mit der Geschichte des Missbrauchs, in der Antike, und im Mittelalter. Denn wie du sehen wirst, liegt das alles schon über meilensteine zurück, und war auch damals schon Aktiv.
Damals aber, waren solche Verbrechen, Legal (!) und gewünscht...
Kindesmissbrauch ist nichts Neues!
»Jungen wie Mädchen waren die gesamte Geschichte hindurch von sexueller Gewalt betroffen. Das kann man feststellen. Was jetzt beginnt, ist die historisch präzise Analyse dieser Gewaltformen gegen Kinder,die keine neuartige Erscheinung der Gegenwart ist. Sexuelle Gewalt hat es in der gesamten Geschichte gegeben.«
"Seit Menschengedenken, d.h. seit es Menschen gibt, ist das Kind als Eigentum der Eltern angesehen und in jeder Weise auch sexuell ausgenutzt worden. Die Macht des Erwachsenen über das Kind ist selbstverständlich und schon deshalb wird nicht darüber geredet. (...) Heldenerzählungen, Mythen, Klagelieder, Sprichwörter und Gesetze der Sumerer geben schon vor etwa 5000 Jahren Hinweise auf sexuelle Handlungen von Erwachsenen mit kleinen Mädchen. (...) "Ich werde nicht eine Frau heiraten, die erst drei Jahre alt ist..." so ein Sumerer.
Über dreitausend Jahre alte Schriften der Babylonier, Sumerer und Israeliten belegen den Missbrauch an Kindern genauso wie die noch erhaltenen Zeugnisse der Klassischen Antike, also der Griechen und Römer.
Zu diesen früheren Zeiten war im Unterschied zu heute die Gesellschaftliche Akzeptanz der Sexuellen Beziehungen von Männern mit Kindern wesentlich größer.
Sie wurden meist aus Religiösen Argumenten gerechtfertigt. Von Illegalität konnte zu diesen Zeiten nicht die Rede sein – nicht einmal bei den Israeliten.
Im wichtigsten Leitfaden der Juden dem Talmud, steht, dass ''ein Mädchen von drei Jahren und einem Tag durch Beiwohnung angetraut wird''.
Sexuelle Handlungen an Kindern unter drei Jahren galten außerdem nicht als Verbrechen!
Belegstellen aus Bibel und Talmud (Hinweis: = Hebräische Schriftensammlung um 500 n. Chr. von jüdischen Rabbis nach der etwa 1000-jährigen mündlichen Tradition des Judentums zusammengestellt) zum Beweis eines Missbrauchs an Kindern anzuführen kann jedoch ohne Kritik bleiben. Es muss die Frage gestellt werden, ob die Altersberechnungen in den Religionsschriften überhaupt faktischen Altersangaben entsprechen. Als Beweis dieser Fragwürdigkeit kann das in Glaubensschriften symbolhaft verliehene Alter Vater Abrahams von 900 Jahren angeführt werden. Um dieses Argument auszuhebeln, wird in der Literatur oftmals auf Gelehrte späterer Zeiten, die sich wissenschaftlich mit den Texten beschäftigten, zurückgegriffen. So wird beispielsweise der jüdische Philosoph Maimonides, (12. Jahrhundert), der Textstellen in Glaubensschriften, die drei Jahre und einen Tag als ausreichendes Alter für einen Beischlaf erwähnen, unkommentiert lies als Beweis dafür angeführt, dass das in den Glaubenstexten gesetzte Verständnis von Alter dem heutigen entspricht. Maimonides hätte ansonsten eine Anpassung innerhalb der Übersetzung vorgenommen, war im 12. Jahrhundert die Altersbemessung doch nachweisbar der heutigen gleich.
Nimmt ein Mann ohne die Erlaubnis des Vaters einem Mädchen die Unschuld, so verletzt er das Eigentum eines anderen Mannes. Nach dem Wunsch des Mädchens wird nicht gefragt, denn es ist ja Besitz seines Vaters. Der Vergewaltiger muss dem Vater für den Diebstahl eine Entschädigung zahlen. Wenn jemand eine noch nicht verlobte Jungfrau - jünger als 12 Jahre - trifft, sie packt, ihr beiwohnt und dabei ertappt wird, so hat der Mann, der ihr beigewohnt hat, dem Vater des Mädchens 50 Silberschenkel zu zahlen...
In der jüdischen, später auch in der christlichen Religion ist die sexuelle Ausbeutung der Frau und der Kinder an der Tagesordnung. Frauen und Kinder gelten als Eigentum des Mannes, in einem Atemzug mit dem Aufzählen von Vieh und Haus genannt. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh und alles, was sein ist. Eine verlobte Jungfrau, die bei einer Vergewaltigung nicht schrie, was mit deren Einverständnis gleichgesetzt wurde, wie auch in der heutigen Zeit, war zu steinigen. War das Kind jünger als 12 Jahre, wurde die Bestrafung - die Steinigung - bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres aufgeschoben, ohne Rücksicht darauf, ob das Mädchen irgendeine Chance gehabt hätte, sich gegen den Vergewaltiger, einem erwachsenen Mann, zu wehren, dem natürlich nichts geschah."
Im Antiken Griechenland war die sogenannte Knabenliebe (Päderastie, aus pais: Kind und Eraastes: Liebhaber) Teil der Sexuellen und geistigen Bildung. Unter der Obhut eines älteren Mannes wurde der Heranwachsende zu einem reifen Staatsbürger erzogen. Gut betuchte Männer durften Beziehungen mit Jungen ab zwölf Jahren eingehen.
Auch bei sexuellen Kontakten mit jüngeren musste kaum jemand hohe Strafen befürchten.
Doch gab es auch andere Fälle. Viele Knaben wurde häufig von älteren Männern missbraucht. In Athen konnte man per Vertrag, einen Knaben mieten und im alten Rom gab es spezielle Knabenbordelle. Dort, wo homosexueller Kontakt mit freien Knaben gesetzlich verboten war, hielten sich Männer Sklavenjungen.
Und sowohl Knaben als auch Mädchen zur Prostitution verkauft.
Im Mittelalter war nach Ansicht der Kirchenfürsten ein Kind ab dem Alter von Sieben Jahren – damals das Übergangsalter von der Kindheit zum Erwachsensein – reif für die Geschlechtliche Ehe. Sieben war also das gesetzliche Mindestalter für die Verlobung. Solche Kindes – Ehen wurden meist dann eingegangen wenn dadurch ein Machtzuwachs oder Geldgewinn garantiert wurde.
"Im Christentum war der sexuelle Missbrauch von Kindern weit verbreitet. Edelleute, Kreuzritter, christliche Ritter und Kirchenfürsten schändeten Frauen und Kinder bedenkenlos. Kleine christliche Mädchen wurden für Geld und Macht skrupellos als Ehefrauen eingetauscht. Das kanonische Recht verbot angeblich die Kinderehe. Die Kirche wandte sich auch gegen die Ehen zwischen alten Männern und kleinen Mädchen. Niemand richtete sich danach. (...) Ehehindernisse, vor allem allzu große Jugend, wurden unbekümmert ignoriert. Die vaginale Penetration hob alle Hindernisse auf. Nach Ansicht der Kirchenväter wird ein Kind durch vaginale Penetration 'reif für die Ehe'. Das kirchliche Verzeichnis der Ehehindernisse macht deutlich, dass männliche Erwachsene mit ihren Verlobten, die sieben Jahre und jünger waren, kopulierten.
Und im 16ten Jahrhundert, zu Zeiten des Bourbonen Königs Ludwig XIII, wurden Säuglinge und Kleinkinder kastriert um in Bordellen von Männern missbraucht zu werden.
„Enlil sprach zu Ninlil von Beischlaf.
Sie will nicht.
Meine Vagina ist zu klein.
Sie versteht den Beischlaf nicht.
Meine Lippen sind zu klein.
Sie verstehen nicht zu küssen.“
Diese Zeilen finden sich auf einer 5000 Jahre alten Tontafel, die dem Volk der Sumerer zugeschrieben wird. Sie gelten als erstes Zeugnis eines sexuellen Missbrauchs an einem Mädchen, das den Göttern Enlil und Ninlil ihre eigene Missbrauchsgeschichte zuschrieb, um diese in Sprache fassen zu können.
Sexuelle Übergriffe an Kindern sahen sich bis ins 18. Jahrhundert in den westlichen Kulturen unter kein negatives Vorzeichen gestellt. Anderweitig, in Kulturen auf dem afrikanischen Kontinent und manchen arabischen Ländern, ist Sexualkontakt mit Kindern bis heute gesellschaftlich akzeptiert und zum Teil integrativer Bestand der Kultur
In der Folge beschränken sich die Ausführungen auf europäische Entwicklungen im Umgang
mit der Thematik.
Bis ins 5. Jahrhundert nach Christus gibt es kaum Zeugnisse von sexuellen Übergriffen an Kindern. Um ein Bild vom gesellschaftlichen Umgang mit Sexualverkehr an Kindern zu erhalten, wird deshalb auf Gesetzestexte und Glaubensschriften bezug genommen.
In der Rechtsprechung der Antike und im Alten Testament werden sexuelle Vergehen an Kindern gleich einem „Diebstahlsdelikt“ (BANGE 1992, S. 9) gestellt. Auszugleichen waren diese mit der Eheschließung mit dem missbrauchten Mädchen und mit finanzieller Entschädigung an die Eltern. Deuteronomium Kapitel 22 Vers 28 – 29 berichtet: „Trifft jemand eine noch nicht verlobte Jungfrau, packt sie, wohnt ihr bei und wird dabei ertappt, so hat der Mann, der ihr beiwohnte, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberschekel zu zahlen. Auch muss er sie zum Weibe nehmen dafür, dass er sie schwächte“.
Vor 2000 Jahren, mit Ausbreitung des Christentums setzte ein langsamer Wandel in der Einstellung der Gesellschaft zu sexuellen Handlungen an Kindern ein.
Die im Christentum postulierte „Unschuld des Kindes“ forderte eine Verteufelung kindlicher Sexualität. Diese galt nunmehr als unmoralisch und schädlich.
Augenmerk wurde jedoch lediglich auf das Kind gelegt, das für seine Erfahrungen verurteilt wurde und dem eine schlechte Seele attestiert wurde. Der Täter blieb in der Betrachtung und in der Beurteilung außen vor.
Noch im 5. Jahrhundert schaffte sich der Maler Pretonius Ansehen mit der Darstellung einer Vergewaltigung eines siebenjährigen Mädchens, dass von applaudierenden Frauen am Boden gehalten wird, während ein Mann in das Mädchen eindringt.
Ende des 13. Jahrhunderts setzte England auf staatlicher Ebene Zeichen eines anderen Umgangs mit der Thematik. Erste Gesetze „zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung“ wurden geschaffen. In den „Statutes of Westminster“ wurde unter Strafe gestellt, wer ein unter zwölfjähriges „Mädchen vergewaltigt, selbst wenn das Mädchen keinen sichtbaren Widerstand zeigt.“150 Jahre später folgte ein weiteres Gesetz zum Schutz der Jungen vor „Forced Sodomy“. Die Gesetze wurden jedoch kaum angewandt.
Nicht alte, bucklige Frauen mit Warzen auf der Nase, wie uns das Klischee vermittelt, wurden
als Hexen verfolgt; meist waren junge Frauen und Mädchen Opfer der Hexenverfolgung. Die im „Hexenhammer“ beschriebenen Symptome von Frauen, die vom „Teufel besessen“ waren, gleichen denen, von denen Opfer sexueller Gewalt berichten. Frauen berichteten in Verhören von Träumen, in denen gekrümmte Finger durch das Zimmer kriechen, von Schmerzen in der Vagina, von Krämpfen.
In vielen Verhören schildern Frauen den Geschlechtsverkehr mit dem Teufel. So Margret Duchall, die offen ihren Pakt mit dem Teufel, „ wie er ihr zuerst in der Gestalt eines Mannes in braunen Kleidern und einem schwarzen Hut erschienen war“ gestand. Die achtjährige Maria de Allara wurde als Hexe entlarvt, als sie vom Teufel erzählte, der sich ihr als elegante Gestalt näherte und zwanzigmal zum Verkehr zwang.
Trube-Becker gibt auch einen Hinweis auf den Zusammenhang von als Hexe angezeigten Kindern und sexuellem Missbrauch. Dass Kinder und auch erwachsene Frauen, die als Kind sexuell missbraucht worden sind, oft an starken Folgeschäden leiden, ist bekannt. Auch heute noch gibt es Frauen, die meinen, sie seien böse, schlecht, vom Teufel besessen oder gar der Teufel selbst (oft auch als Folge sexueller Traumatisierungen) und die dann in der Psychiatrie landen. Mir gibt diese Tatsache sehr zu denken. Studien über als Hexe verbrannte Kinder und Jugendliche bzw. Kindestötungen an sich dürften hier sehr aufschlussreiche Erkenntnisse bringen. Der Zusammenhang vom sexuellen Missbrauch und der "Entsorgung" des "Beweisstückes" bzw. des durch Folgeschäden nun störenden und beeinträchtigtem "Besitztums" liegt auf der Hand...
1642 schrieb der Kurfürst von Würzburg einem Freund, er sei Zeuge gewesen, wie „drei- hundert Kinder im Alter von drei und vier Jahren angeblich mit dem Teufel Verkehr hatten“. Er habe gesehen, „wie Siebenjährige hingerichtet wurden.“
Mit Beginn des 18. Jahrhunderts verfestigte sich das Bild von der schützenswerten Kindheit in der Gesellschaft. Männer, die sexuellen Missbrauch an Kindern begingen, wurden gesellschaftlich geächtet, die Tat wurde zunehmend kriminalisiert.
Mit dieser Entwicklung ging anheim, dass Kindern jegliche Sexualität, sei es in Sprache oder im Verhalten, abgesprochen wurde.
Dieser Veränderung Vorschub leistete ein seit der Renaissance aufkeimendes Interesse, das Wesen der Kindheit und der Jugend von dem des Erwachsenen zu unterscheiden.
Galten bis dato Kinder als „kleine Erwachsene“, wurde nun Wert auf eine „Eltern – Kind Beziehung“ gelegt. Kinder durften herumtollen, durften naiv sein, mussten sich nicht wie Erwachsene kleiden, schminken und benehmen.
Christlicher Glaube und gestärktes Moralempfinden waren jedoch nicht allein Anlass für das Umdenken der Gesellschaft; vielmehr diktierten wirtschaftliche und militärische Interessen den Wandel, der Mädchen und Jungen Schutz vor Übergriffen gewähren sollte.
Inzest in der Familie, Kinderprostitution etc. waren keine Seltenheit. Kinder, die unter solchen
Umständen aufwuchsen, waren als Erwachsene aufgrund psychischer und physischer Erkrankungen weder als gute Arbeitskräfte in den Fabriken, noch als Soldaten oder gute Mütter zu gebrauchen und schadeten so dem aufkeimenden Bürgertum mehr als sie Nutzen brachten.
Erst Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts setzte in Deutschland eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Thematik Kindsmissbrauch ein:
Die Frauenzeitschrift >Brigitte< brachte 1982 ein Sonderheft heraus, in dem betroffene Frauen über ihre Missbrauchserlebnisse in der Kindheit berichteten.
1985 wurde von Opfern sexuellen Missbrauchs in Berlin die erste Selbsthilfegruppe namens
>Wildwasser< gegründet.
1985 wurde ein erstes theoretisches Werk über Kindsmissbrauch als historisches Phänomen von der Amerikanerin Florenz Rush ins Deutsche übersetzt.
„Unter sexuellem Missbrauch versteht man die Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen. Dabei benutzen bekannte oder verwandte (zumeist männliche) Erwachsene Kinder zur eigenen sexuellen Stimulation und missbrauchen das vorhandene Macht- oder Kompetenzgefälle zum Schaden des Kindes.“ (ENGFER 1992)
Einige Auzüge aus dem Alten Testament:
Misshandlung der Eltern:
Wer seinen Vater oder Mutter schlägt, wird mit dem Tode bestraft. (Ex 21,15)
Entehrung der Eltern:
Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft. (Ex 21,17)
Die Verfluchung der Eltern:
Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft. Da er seinen Vater oder seine Mutter verflucht hat, soll sein Blut auf ihn kommen. (Lev 20,9)
Die Verstoßung eines Sohnes:
Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. (Dtn 21,18-21)
Die Warnung vor Verführung und Unerfahrenheit:
Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, / widersetz dich nicht, wenn er dich zurechtweist. (Spr 3,11)
Wen der Herr liebt, den züchtigt er, / wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat. (Spr 3,12)
Die erste salomonische Spruchsammlung:
Wer Zucht liebt, liebt Erkenntnis, / wer Zurechtweisung hasst, ist dumm. (Spr 12,1)
Armut und Schande erntet ein Verächter der Zucht, / doch wer Tadel beherzigt, wird geehrt. (Spr 13,18)
Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, / wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht. (Spr 13,24)
Der Tor verschmäht die Zucht seines Vaters, / wer auf Zurechtweisung achtet, ist klug. (Spr 15,5)
Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung ist, / doch lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten. (Spr 19,18)
Für die Zuchtlosen stehen Ruten bereit / und Schläge für den Rücken der Toren. (Spr 19,29)
Die Worte von Weisen / Mahnungen:
Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht; / wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben. (Spr 23,13)
Du schlägst ihn mit dem Stock, / bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt. (Spr 23,14)
Die zweite salomonische Spruchsammlung:
Rute und Rüge verleihen Weisheit, / ein zügelloser Knabe macht seiner Mutter Schande. (Spr 29,15)
Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Verdruss ersparen / und deinem Herzen Freude machen. (Spr 29,17)
Missratene Kinder und unbelehrbare Toren:
Die trotzige (Tochter) bereitet dem Vater und dem Gatten Schande, / von beiden wird sie verachtet. (Sir 22,5)
Wie Musik zur Trauer ist eine Rede zur falschen Zeit, / Schläge und Zucht aber zeugen stets von Weisheit. (Sir 22,6)
Warnung vor Unzucht:
Jener wird auf den Straßen der Stadt verurteilt; / wo er es nicht vermutet, da wird er ergriffen. So auch die Frau, die ihren Mann verlässt / und von einem andern einen Erben zur Welt bringt (...) Sie wird vor die Gemeinde geführt / und ihre Kinder werden es büßen müssen. Ihre Sprösslinge werden keine Wurzel treiben / und ihre Zweige keine Frucht bringen. Ihr Andenken hinterlässt sie zum Fluch, / ihre Schande wird niemals getilgt. (Sir 23, 21-26)
Die Kinder:
Wer seinen Sohn liebt, hält den Stock für ihn bereit, / damit er später Freude erleben kann. (Sir 30,1)
Wer seinen Sohn in Zucht hält, / wird Freude an ihm haben und kann sich bei Bekannten seiner rühmen. (Sir 30,2)
Ein ungebändigtes Pferd wird störrisch, / ein zügelloser Sohn wird unberechenbar. (Sir 30,8)
Beug ihm den Kopf in Kindestagen; schlag ihn aufs Gesäß, solange er klein ist, sonst wird er störrisch und widerspenstig und du hast Kummer mit ihm. (Sir 30,12)
Auszüge aus dem Neue Testament:
Worte der Mahnung an die Getauften / Christliche Hausordnung:
Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem; denn so ist es gut und recht im Herrn. (Kol 3,20)
Der Brief an die Hebräer / Die Züchtigung als Zeichen väterlicher Liebe:
Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, / verzage nicht, wenn er dich zurechtweist. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; / er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt? Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch bisher allen ergangen ist, dann wäret ihr nicht wirklich seine Kinder, ihr wäret nicht seine Söhne. Ferner: An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher und wir achteten sie. Sollen wir uns dann nicht erst recht dem Vater der Geister unterwerfen und so das Leben haben? (Hebr 12,5-9)
Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. (Hebr 12,11)
Abschließender Kommentar:
„Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.“
Was für ein fataler Irrglaube!! In Anlehnung an die Kindheitsforscherin und Therapeutin Alice Miller oder auch dem Psychoanalytiker Arno Gruen verhält es sich genau umgekehrt: Körperliche Züchtigung, Demütigungen, Schläge und Misshandlungen an Kindern führen nicht zu Frieden und Gerechtigkeit, sie bereiten ganz im Gegenteil die Wurzeln für Kriminalität, Mord, Krieg, Folter, Terrorismus und wiederum Kindesmisshandlung.
"er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat" oder "Wen der Herr liebt, den züchtigt er, / wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat." Auch dies ist eine Ansicht, die lange Zeit weitgehend Konsens in unserer Gesellschaft war und z.T. immer noch ist: Eltern, die es "gut" mit ihren Kindern meinen, züchtigen und schlagen diese aus "Liebe", um sie zu guten Erwachsenen zu erziehen. Auch die früheren Erziehungsmethoden von Lehrern sind bekannt, die mit Schlägen und Züchtigung gute Noten und Gehorsam erreichen wollten. Alles geschah natürlich zum "Wohle" des Kindes und zu seinem/ihren "Besten". Die Wahrnehmung von Kindern wird durch dergleichen "Erziehungsmaßnahmen" absolut verdreht und fatal durcheinandergebracht. Kinder erleiden Schmerzen durch diejenigen Menschen, die sie doch behüten, pflegen und schützen sollten und dies wird ihnen auch noch als "Liebe" und "Fürsorge" verkauft. Widerspruch, gar Aggressionen gegen die Eltern waren strengstens verboten, wie obige Auszüge zeigen und konnten theoretisch sogar mit dem Tode bestraft werden. Das Kind bleibt in einer solchen Situation zwangsläufig mit seinem berechtigten Hass und seiner Wut alleine, verdrängt diese und/oder sucht die Schuld für die erlittene Gewalt bei sich. Oftmals entwickeln diese geschlagenen Kinder z.B. auch Autoaggressionen, wie Berichte und Untersuchungen über Kindesmisshandlung und deren Folgen heute aufzeigen.
"Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch bisher allen ergangen ist (...)" und "An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher und wir achteten sie." Hier lässt sich ablesen, dass die Züchtigung und Misshandlung von Kindern über Generationen hinweg verbreitet war bzw. von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Die Töchter werden speziell im Alten Testament selten erwähnt und oben gelten die Regelungen fast immer nur für die Söhne. Töchter waren offensichtlich noch mehr als Söhne der Willkür und Autorität der Eltern bzw. speziell des Vaters ausgesetzt. Ihrer Erwähnung in den Gesetzten bedurfte es i.d.R. offensichtlich gar nicht erst.
Ich finde an diesen Textauszügen wird auch sehr gut deutlich, wie ähnlich die Einstellungen von damals mit denen aus jüngster Vergangenheit und z.T. auch noch denen von heute sind. Es werden recht ähnliche Argumente herangezogen, um die körperliche Bestrafung von Kindern zu rechtfertigen. Das Kind wird z.B. als triebhaftes Wesen angesehen, das zu bändigen ist, um "schlimmeres" zu verhindern. Dies wird als "wohlwollende" Erziehung dargestellt.
"Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig." Dieser Gesetzestext (der als symbolisches Recht gedacht ist) wurde in Deutschland erst im Jahre 2000 (!!) im Bürgerliche Gesetzbuch (§ 1631, Abs. 2 BGB) eingeführt. Was im Kindergarten, in der Schule und der Berufsausbildung schon lange gilt, gilt nun ohne Einschränkung auch in der Familie. "Ein Stück Mittelalter weniger," so kommentiert Dr. Michael Jung vom Deutschen Kinderschutzbund diese Gesetzesänderung. Wir sehen, die Vergangenheit wirkte und wirkt nachhaltig... Folgender Satz aus dem 11. Kinder- und Jugendbericht 2002 (Hrsg. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) sollte diese "nachhaltige Wirkung" weiter verdeutlichen: "In sozialwissenschaftlichen Studien ist belegt, dass die Hälfte bis zwei Drittel aller Eltern ihre Kinder körperlich bestrafen, wobei man davon ausgeht, dass 10 bis 15 % dies häufig und schwerwiegend tun." Eine bundesdeutsche Repräsentativstudie zu diesem Thema unter Leitung von Peter Wetzels vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen kommt auf der Opferseite zu ähnlich erschreckenden Ergebnissen. 74,9 % der Befragten gaben an, in ihrer Kindheit körperliche Gewalterfahrungen seitens ihrer Eltern erlebt zu haben. 38,4 % wurden häufiger als selten körperlich gezüchtigt. Elterliche Misshandlungen erlebten 10,6 %, 4,7 % häufiger als selten.
Um sich an jemanden zuwenden, falls man derartige Probleme hat, kann man über eine der Telekom eingerichtete Telefonnummer ( Gratis ) mit Leuten die einem Zuhören übers eine Probleme sprechen.
Rufnummern der Telefonseelsorge:
überregional: 0800-1110111 und 0800-1110222
regional: 111 01 und 111 02
Diese einheitlichen Rufnummern wurden in diesem Jahr von
der Deutschen Telekom kostenfrei geschaltet; d.h. es werden
keine Einheiten gezählt.
Die Rufnummern der Telefonseelsorge sind in der Regel
rund um die Uhr besetzt. Hier können Sie Fachleute oder
ausgebildete Laien antreffen. Manchmal wird dort auch die
Möglichkeit einer Briefseelsorge angeboten.