Die Herkunft

Aus dem großen Volk der Germanen, trennte sich eine weitere, besondere Art zu Beginn des achten Jahrhunderts heraus- die Wikinger. Sie stammten aus Skandinavien, dem heutigen Norwegen, Schweden, Dänemark und Norddeutschland. Man sprach zu damaliger Zeit nur eine Sprache, das sogenannte Altnordisch, was dem Altgermanischem im Norden nahe kommt. Später entwickelten sich die Sprachen mit der Gründung der einzelnen Nationen weiter zu den jeweiligen Landessprachen aus.

Die süddeutsche und damit heutige Sprache Deutschlands, hat sich aufgrund der Gebietsstruktur am weitesten vom nordischen Dialekt entfernt. Die Vikinger und Germanen verehrten dieselbe Glaubenslehre um den Kult der Asen und Vanen. Viele baltische und slawische Völker verehrten Gottheiten, die denen der nordischen Völker sehr ähnlich in Aussehen, Charakter und ihren jeweiligen Funktionen waren.

 

Das Land

Die Wesensart der Wikinger entsprach dem Charakter ihrer Heimat: rauh, hart und gefährlich, aber auch kraftvoll, geschickt und ehrgeizig. Ihr Land war zu großen Teilen bis auf die weiten Küstenstreifen und dem Süden Norwegens und Schwedens mit nur schwer überwindbaren Gebirgsketten durchzogen. Die Küstenstreifen waren mit Fjorden durchkämmt. Wie auch im südlichen Germanien fehlte es den Wikinger im Süden Skandinaviens nicht an Seen und Wäldern.

Der Großteil der Wikinger wohnte auf ihren Höfen an den Küsten Skandinaviens, wo Sie ihre Felder bebauten und fischten. Dänemark und Norddeutschland war sehr flach vom Aufbau des Landes her, wie der größte Teil Germaniens. Germanien war jedoch zu großen Teilen mit Urwäldern versehen, was ein Vorteil gegen das Eindringen feindlich gesinnter Heere gegenüber dem Volk der sogenannten Barbaren war.

Die Zeit

Das goldene Zeitalter der Wikinger setze im achten Jahrhundert ein. Durch Klimaveränderungen und Fortschritt stiegen die Ernteerträge und damit die Lebensdauer der Menschen an, was dafür sorgte das die Wikinger sich aufmachten, um Neuland zu kultivieren. Im Gegensatz zu Germanien entstand schon bald ein Mangel an gutem, fruchtbarem Boden im Reich der Wikinger. Aufgrund dieser Ereignisse unternahmen die Wikinger außerhalb der Erntezeit immer öfter Raubzüge, ihre sogenannten Heerfahrten, um Nahrung im Handel aber auch Reichtümer und Ruhm zu erbeuten.

Nachdem ihre Bevölkerungszahl zu groß für die damaligen Verhältnisse zur Landwirtschaft war, zogen die Wikinger los um unbesetzte Gebiete zu besiedeln. Die größten Niederlassungsgebiete der Wikinger waren England, Irland, Farör,- Shettland,- und Orkney Inseln, Island, Grönland, Nordamerika (Vinland, Neufundland, welches Markland – Weideland - genannt wurde), der Normandie in Frankreich, welche Sie auf Beutezügen in Frankreich als Tribut von französischem König bekamen, sowie Teile der Bretagne und weite Teile Russlands (welche ausziehenden Wikingerhorden, genannt Russ, auch seinen Namen gaben).

Die Wikinger waren den meisten Völkern im Schiffsbau überlegen. Sie bauten für jede Art des Benutzens andere Schiffstypen, welches von großem Vorteil auf Heerzügen war. Die Wikinger erkundeten als erste das Nordmeer und den Nordatlantik. Sie stießen über die großen Flüsse weit bis nach Russland vor und eröffneten Handelswege bis nach Persien und China. Sie verbanden durch Handel die arabische, asiatische, nordamerikanische und europäische Welt, wodurch ein Zeitalter von blühendem Wohlstand entstand.

Die Wikinger drangen mit ihren Drachenschiffen bis in die entlegensten und unbekanntesten Winkel der damaligen Zeit vor. Sie kamen über Island nach Grönland und Nordamerika, wo sie sogar mit ihren Schiffen auf Flüssen Teile des Festlandes eroberten und Handel mit den Einheimischen betrieben, welches Fundstücke und Ausgrabungen von Siedlungen beweisen. Sie zogen um Spanien herum bis nach Nordafrika. Über das Mittelmeer nach Jerusalem und dem Schwarzen Meer zum Byzantinischen Reich.

Die Wikinger waren im damaligen Byzanz wie die Germanen in Südeuropa sehr geschätzte und gefürchtete Krieger und wurden als sogenannte Waräger Garde oftmals als Palast- und Hofwachen angeheuert. Die Landrouten der Germanen und Vikinger reichten von Frankreich, Spanien bis nach Nordafrika, Italien / Rom (welches mehr als ein Dutzend mal von germanischen und keltischen Stämmen überrannt und eingenommen wurde und für den Zerfall des römischen Imperiums verantwortlich war), durch das Gebiet der Slawen und Balten über Kiew zurück nach Finnlands Steppe, über Russland zum Kaspischen Meer und den Aral See weiter nach Asien bis China, vom Schwarzen Meer bei Byzanz / Konstantinopel nach Jerusalem und Bagdad.

 

Die Sippen

Über das Leben der Frauen jener Zeit lässt sich nicht viel berichten, da zu verschiedenen Zeiten und Regionen die Bräuche sehr unterschiedlich ausfielen. Im Allgemeinen deutet jedoch alles darauf hin, das die Frauen sehr geachtet wurden. Wer ein Mädchen umwarb und Versprechungen machte, achtete besser darauf, dieses Mädchen zu ehelichen, da es sonst zur Blutrache kommen konnte. Kam es hingegen zu einer Scheidung, so musste der Bräutigam die Mitgift zurück an das Familienhaus / Braut Zahlen.

Die Wikingersagas erzählen von einer Treue der Frauen zu ihrem Gemahl, welche bis in den Tod hinaus geht. Es galt als Ehre, einem König, Jarl oder dem Gemahl in den Freitod zu folgen.

-Njalssaga -

Jung war ich mit Njal vermählt; gab ihm mein Wort, sein Schicksal zu teilen. Bei dieser Zeremonie wurde eines der getreuen Mädchen gefragt, welches freiwillig ihrem Herrn folgen möge, um ihn auf seinem Wege zu begleiten. Fand sich eine getreue Frau, so wurde sie die letzten ihrer Tage geehrt und jeder Wunsch erfüllt. Es wurde viel gefeiert während dieser Tage und zum Abschluss ging die Frau in jedes Zelt der treuen Gefolgsleute des Herrn und schlief mit ihm, worauf die Gefolgsleute zu der Auserwählten sprachen; sag unserem Herrn ich habe es aus Liebe zu ihm getan. Daraufhin legte sie sich zu ihrem Gemahl oder Herrn und wurde dort von der Dorfältesten mit einen Stich zwischen den Rippen ins Herz zu ihrem Herrn oder Gemahl geschickt.

Ein arabischer Handelsmann (der 13te Krieger), der solch einer Zeremonie beiwohnte, beschrieb diesen Brauch als barbarisch. Die Beigaben in Frauengräbern standen denen der Männer an Wert nicht zurück.

Die Männer hingegen bewirtschafteten das Land oder zogen nach der Ernte mit ihren Kameraden aus zu den sogenannten Heerfahrten, um Handel aber auch Beute zu machen.

Die Mädchen erlernten bei der Mutter spinnen und weben, sowie Viehzucht und Ackerbau, während die Jungen mit dem Vater auf See fuhren um das Fischen oder im Wald die Jagd zu erlernen. Sie lernten den Umgang mit dem Vieh und dem Ackergerät, lernten Fleisch durch räuchern und salzen haltbar zu machen.

Im Winter liefen die Kinder viel Schlittschuh und spielten auf dem Eis ein Spiel das dem heutigen Baseball ähnlich erscheint. Abends, vor allem im Winter, wenn die Nächte früh einsetzten, erfreute man sich an Brettspielen. Oft wurde eine Art Dame gespielt, wo die Figuren aus Knochen geschnitzt wurden. Ein beliebtes und typisches Spiel der Wikinger war das -hnefatafl-, das äußerlich sehr dem Schach ähnelte, aber nach anderen Regeln verlief.

Nach einem uralten, überlieferten Gesetz war es zwar erlaubt Kinder zu töten, es geschah jedoch nur selten. Nur Babys, die allzu schwächlich waren oder wenn ihr Überleben während einer Hungersnot nicht gesichert war, setzte man die Junggeborenen aus. Sobald die Kinder jedoch ein gewisses Alter erreichten, begann ihre Schulung in den wichtigen Dingen, die das Überleben sicherten.

In einer Wikingerfamilie / Sippe, wozu auch Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen zählten, stand man sich bei Gefahren in Not treu zur Seite. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Sippen konnte man sich der Hilfe seiner Verwandten gewiss sein. Wenn im Streit jemand getötet wurde, kam es oftmals zu Blutfehden. Wenn die Familie des Ermordeten nicht bis zum Thing warten konnte, was zumeist eintraf, wurde Blutrache oder eine Entschädigung gefordert. Diese Blutfehden konnten Jahrzehnte andauern.

 

Eine Sache des Glaubens

Die Wikinger waren wie die Stammesverwandten Germanen, Heiden. Sie verehrten Gottheiten wie Odin, Frigg, Thor, Freya, Frey und Heimdall um nur einige zu nennen. Erst mit der Christianisierung wurden die Heiden zumeist von Geistlichen, aber auch von ihren Herrschenden mit Waffengewalt und Folter, die sich davon eine Vergrößerung ihrer Macht erhofften, zum Christentum (das eigentliche die Nächstenliebe Predigt) gezwungen. Bei den germanischen Stämmen gab es nicht wie bei den Christen feste Messen und Predigten. Man bat die Götter um ihre Gunst zwar auch zu bestimmten Festen, aber im Alltag nur nach Bedarf an. Der Glaube dieser Heiden war jedoch meist stark und fest. Man benannte nur allzu oft Orte und Neugeborene nach den Göttern.

Trotz der Christianisierung konnte der alte Glaube nie ganz vernichtet werden. Man findet ihn in alten Bräuchen wie das Verkleiden zum Karneval, das verbrennen des Julblockes zu Weihnachten und Festen wie Ostern, Fastnacht, Erntedankfest und Julfest / Weihnachten wieder. Oftmals wurden christliche Feste wie Ostern und Weihnachten auf das Datum von heidnischen Festen gelegt. In alten Kirchen sieht man oftmals christliche und heidnische Symbole nebeneinander, um die Heiden langsam aber stetig von ihrem alten Glauben abzubringen.

Die Nordmänner verehrten neben den Göttern noch andere Wesen, wie zum Beispiel Elfen oder kraftvolle Naturplätze. Das Ritual der Anbetung fand im Freien statt und wurde gelegentlich mit einem Festmahl und Opfergaben bedacht. In der Regel gab es keine heidnischen Tempel. Zumindest ist nur von einem in der Nähe von Uppsala (Schweden) berichtet. Gelegentlich wurden Tieropfer gebracht, wobei der Schlächter des Tieres, dieses an einem Pfosten vor dem Hause aufhing. Nur selten hingegen wurden Menschen geopfert, zumeist Verbrecher oder Sklaven.

 

Siedler und Bauern

Die Wikinger waren nicht nur die gefürchteten Krieger aus dem Norden, sondern vor allem auch Siedler, Bauern und Handwerker. Hochseetüchtige Schiffe und die Beherrschung der Navigation erlaubten den Wikingern nicht nur die Küstenstreifen, sondern auch weiter entfernte Gebiete zu besiedeln. Die Wikinger fuhren zum Beispiel zu der Insel MAN und den Orkney- und Shetland Inseln, wo sie sich in das dort ansässige Volk der Pikten Integrierten.

Im Jahre 880 machten sich die Nordmänner nach Island auf, und in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts besiedelten die Wikinger bereits weite Teile von England, Irland und Schottland. Im Jahre 980 besiedelten die Viks Grönland und 985 erreichten sie zum wahrscheinlich erstenmal sogar Nordamerika. Um 1000 entstand in der Gegend von Lànse aux Meadows im Norden Neufundlands die Siedlung des Leif Eriksson.

Die Wikinger mussten für ihr täglich Brot harte Knochenarbeit an den Tag legen. Im nördlichen Skandinavien herrschte ein äußerst tödliches Klima. Im Winter froren die Flüsse über Monate zu und der Sommer war oft zu kurz um die Garten- und Feldfrüchte zufriedenstellend heranreifen zu lassen. Erst weiter südlich erlaubte das Klima eine Vielzahl von verschiedenen Garten- und Feldfrüchten, wie z. B. Gerste, Weizen, Roggen , Erbsen und Bohnen.

Die Wikingerfamilien bewohnten niedrige, langgestreckte Häuser aus Holz oder Stein. Die Dächer waren oft mit Holzpfählen gestützt und für gewöhnlich mit Stroh, Schilfrohr oder Rasen bedeckt. Letzteres war im Winter besonders nützlich, da die natürliche Erdschicht die Kälte besonders abwies. Nahe dem Haupthaus befanden sich zumeist die kleineren Gebäude, wie Kuhställe, Geräteschuppen, Scheune, Schmiede, ein Bad und ein Räucherhaus.

Die Wikinger räucherten sehr viel Fleisch und Fisch, um es haltbar zu machen. Auf größeren Flächen guten Bodens gründete man oft kleine Siedlungen. In schlechten Zeiten und besonders zu den Wintermonaten herrschte Nahrungsmangel. Die meisten Menschen ernährten sich in erster Linie von Brot und Brei aus Gerste oder Hafer. Schafe, Rinder, Schweine und Ziegen lieferten notwendiges Fleisch, sowie Rohmaterial für Kleidung und Milch für die Kinder. Ein Großteil dieses Bestandes wurde zumeist im Spätherbst geschlachtet, da es im Winter nicht genügend Futter gab um die Tiere zu versorgen. Nur das stärkste Vieh brachte man mit viel Mühe über den meist harten Winter.

Die Wikinger liebten große Gelage und Festmähler, besonders zum Abschluss von erfolgreichen Handelsreisen und Raubzügen. Ein gelungenes Fest konnte das Ansehen des Gastgebers erhöhen. Ein sehr verbreitetes Getränk der Wikingermänner war der Met (Honigwein), Bier und bei den Reichen gab es sogar zu besonderen Anlässen Wein, der zumeist aus dem verwandten, südlicheren Germanien stammte. Die Gastfreundschaft wurde bei Ihnen sehr groß geschrieben. Sie konnte bis zu maximal 3 Tage dauern, was üblich war. Niemandem wurde bei ehrlichem und gesittetem Verhalten diese Gastfreundschaft verwährt. Man sollte sie aber auch nicht länger in Anspruch nehmen, da es schon schwierig genug war mit der eigenen Familie über den Winter zu kommen.

 

Die Jagd

In den weiten Landstrichen, die für den Anbau von Getreide ungeeignet waren, musste man sich auf seine Fähigkeiten als Jäger verlassen. Die großen Wälder Skandinaviens und die fischreichen Küsten und Gewässer beherbergten jedoch reichlich Nahrung. Beliebt waren vor allem die Wisente, Auerochsen, Elche, Hirsche, Wildschweine und Bären, welche besonders viel Fleisch gaben. Im Norden wurde zumeist mit Speeren sowie Pfeil und Bogen gejagt. Die Jagd fand meistens zu Fuß, gelegentlich auch zu Pferd (wer es sich erlauben konnte dieses über den Winter zu bringen) und mit Hunden statt.

Bei Ausgrabungen in Haithabu, York und Birk konnte man anhand der massenweise gefundenen Gräten sagen, das man sich damals beim Fischfang vor allem dem Dorsch, Schellfisch, Hering und Aal zuwandte. Im entfernten Grönland, welches Erik der Rote um 980 entdeckte, ernährte man sich zumeist von den fischreichen Gewässern, Walen, Robben und Walrossen. Gelegentlich erlegten die Wikinger auch Eisbären. Aus den Knochen der Wale fertigten sie Behälter an, und aus dem Elfenbein der Walrosse schnitzen sie Schmuckstücke, welche man im Handel mit Island und Skandinavien gegen Weizen, Eisen und Bauholz tauschte.

 

Kleider macht Leute

Die Wikinger legten alten Schriftstücken nach sehr viel Wert auf eine gepflegte Erscheinung. Die Frauen sponnen und webten für gewöhnlich die Kleidung der Familie selbst. Die Schafe, die sich eine Familie hielt, lieferte dafür die Wolle. Die Frauen trugen meist ein sogenanntes Damenhemd mit Schulterspangen und einem Halstuch.

Die Männer hingegen trugen einen enganliegenden, wollenen Wams und bauschige oder eher eng geschnittene Hosen. Oben drüber trugen die Wikinger meist Felle und schwere Wollumhänge, sowie Mützen und Kopftücher gegen den rauhen und kalten Wind.

 

Der Handel

Die Kaufleute unter den Wikingern nahmen weite Reisen auf sich, um Walrosselfenbein, Felle, Pelze, Jagdfalken, Bernstein, Schmuck und Sklaven gegen Seide, Gewürze, Weine, exotischen Schmuck und Silber aus dem Osten zu tauschen. Die meisten Händler waren Vollzeithändler, aber auch Bauern die ihr Feld bestellten unternahmen im Sommer Heerfahrten oder Handelsreisen, um ihre Einkünfte zu verbessern.

Es wurden zwischen Handelsleuten, aber auch Kriegsherrn Bruderschaften gegründet, um sich Kosten, Risiken, aber auch ihre Erträge auf den Heerfahrten zu teilen. Die Wikinger fuhren oft über die Ostsee größere Flussmündungen an, um dort Handelsposten zu errichten. Viele von ihnen drangen bis weit ins Innere des Landes vor, wo sie ihre Waren an die Einheimischen verkauften. Man nannte diese kühnen Händler Waräger oder Russ ( Fremde), woher auch der Name Russlands stammt.

Diese sogenannten Russ gründeten die Städte Nowgorod, Kiew und Smolensk, und erschlossen so Russland für den Handel. Die skandinavische Herrscherfamilie Russ machte sich die regionalen und politischen Verhältnisse zunutze, so dass sie bis ins 11. Jahrhundert dort herrschte.

Später drangen sie bis zum Schwarzen Meer und Konstantinopel vor. Es sollten sich so viele Wikinger in Byzanz aufgehalten haben, das man von rechten Wikingervierteln, die sich Miklagard nannten, sprach. Zu Beginn des neunten Jahrhunderts schossen einige wichtige Marktplätze hervor. Eines der frühesten Beispiele ist Helgö auf einer Insel des Mälarsees in Schweden. Dort fand man Waren aus ganz Ost und West. Später übernahm Birka die zentrale Rolle Helgös. Im Westen waren die Handelsrouten bereits wie in Haithabu gut ausgebaut. Sogar in strengen Wintern unternahmen die Wikinger Handelsreisen, und brachten mit Schlitten ihre Waren über die zugefrorene See.

 

Das Handwerk

Die Wikinger waren geschickte Handwerker und beherrschten viele künstlerische Ausdrucksformen. Seit Jahrhunderten konzentrierte sich die Kunst der Wikinger auf tierische Kunstmotive wie Schlangenformen oder verflochtenem Geäst. Die Metallverarbeitung war bei den Wikinger sehr weit fortgeschritten und hatte entsprechend gute Schmiede und Künstler hervorgebracht. Ausgrabungen beweisen das bereits die meisten handwerklichen Mittel des 19. Jahrhunderts bei den Wikingern in Gebrauch waren. Weit verbreitet war ebenfalls die Holzschnitzerei.

Um die berühmten, breiten zweischneidigen Schwerter der Wikinger widerstandsfähiger und elastischer zu machen, schweißten die Wikinger Eisenstangen zusammen, wobei sie die Stangen umeinander wanden, worauf sich als Nebeneffekt ein verzierendes Muster in dunklen und hellen Farbtönen auf der Oberfläche abzeichnete. Den Abschluss bildete eine scharfe Schneide aus Eisen von besserer Qualität.

Die Wikinger hatten besondere Schmuckstücke in Qualität und Motiven hervorgebracht. Weit verbreitet war die Spange, die zur Zierde und zum praktischem Zweck getragen wurde. Je reicher die Männer waren, je mehr Ringe trugen die Frauen an Ketten oder Halsreifen um ihren Hals. Es wird berichtet, das einige Frauen einen Behälter aus Eisen, Silber, Kupfer oder Gold, je nach Vermögen des Gemahls, auf der Brust trugen. An jedem Behälter war ein Ring, in dem jeweils ein Messer steckte.

Gussformen für den Schmuck wurden aus Ton, welche sich um eine Form aus Wachs schloss, modelliert und gebrannt. Die Form wurde erhitzt, sodass das Wachs herauslaufen konnte und man anschließend Bronze und dergleichen einfüllen konnte. Wenn die Bronze ausgehärtet war, zerschlug man den Ton und bekam das fertige Schmuckstück, welches nun nachbearbeitet werden konnte. Bei schlichteren Schmuckstücken, ließ man die Wachsform beiseite, so das man serienmäßig produzieren konnte indem man ein fertiges Endprodukt einfach in den nassen Ton abdrückte. Oftmals wurden Perlen, Bergkristalle und Bernstein in die Schmuckstücke eingefasst.

 

Haithabu

Die meisten Wikinger lebten in kleineren Dorfgemeinschaften oder auf einsamen Höfen. Mit dem Einsetzen des großflächigen Handels wuchsen jedoch bedeutende Handelsplätze heran. Eine der größten und reichsten dieser Städte war Haithabu bei Schleswig, was damals zeitweise zu Dänemark gehörte.

Der neue Umschlagplatz an der Halbinsel Jütlands, war einer der wichtigsten Knotenpunkte für die Handelswege zwischen Nord- und Ostsee und Westeuropa. Durch seine günstige Lage entwickelte sich Haithabu sehr schnell zur größten skandinavischen Stadt in jener Zeit. Die etwa 10.000 Einwohner haben meistens ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von Kunstgeschmeide, Handwerkszeug und Ackerbau bestritten.

Von West nach Ost durchzog ein künstlich begradigter Bach das Stadtzentrum. In der Stadt hatte man im Winkel zum Wasserlauf gerade und parallele Straßen aus hölzernen Planken angelegt. Die Häuser hatten im Durchschnitt ein Maß von circa 6 mal 15 Metern, ein eigenes Bad ( vermutlich eine Art Saunabad) und eine Werkstatt. Die Verteidigungsstruktur der Stadt bestand aus einem fast zehn Meter hohem Halbkreiswall, der sich ans berühmte Danewerk anschloss. Die Stadt hatte drei Tore nach Süden, Westen und Norden.

Im Jahre 1066 wurde Haithabu von einem nordischen Slawenheer geplündert und abgebrannt. Schleswig übernahm die Funktion Haithabus als neuen Handelspunkt im Norden.

 

Dem Adel Verpflichtet...

In der Gesellschaft der Wikinger herrschte eine deutliche Klassentrennung. Wie auch bei den südlichen Germanen in Nordeuropa, führten die Adligen als tapfere Kriegsherrn die Schlacht persönlich an, um ihr Volk und Land vor Eindringlingen und Räubern zu schützen. In wichtigen Rechtsfragen hatten sie gewöhnlich das oberste Wort und fungierten als religiöse Führer, welches zuletzt trotz heftiger Widerstände der Bevölkerung, durch habgierige Könige von christlichem Gold verwirrt, für das Ende des Glaubens an die alten Götter sorgte.

Die Könige stammten aus alten Herrschergeschlechtern ab, was jedoch kein Garant für die Macht über das Volk und Land war. Der König bedurfte, wie auch im Reich der Teutonen, das Ansehen seiner Häuptlinge / Jarls. Die Könige mussten also von ihren freien Untertanen rechtmäßig zum Herrscher ernannt werden. Wenn ein König nicht mehr unterstützt oder ungerecht war, konnte er seines Thrones gestürzt und somit seines Landes verbannt oder gar hingerichtet werden.

Die Könige benötigten mengenweise Silber, um ihre treuen Gefolgsleute zu belohnen, damit sie zusammen mit dem Heer des Königs für die Verteidigung des Landes aufkommen konnten. Dieses Silber erhielten die Könige zum Teil aus Tribute, Heerfahrten und durch die Gründung neuer Handelsstädten am Meer. Durch den Schutz der Städte gegen Freibeuter, erlebte der Handel einen raschen Aufschwung, was wiederum höhere Einnahmen durch Zölle und Steuern erzielte.

Hauptheerführer waren die Jarls / Edelleute, die direkt nach dem König kamen. Sie waren Landbesitzer, Krieger und waren diejenigen rauhen Wikinger, die die größten Raubzüge im neunten und zehnten Jahrhundert führten. Diese Jarls geboten über mächtige Streitkräfte, bis in späterer Zeit der König ihnen einen Großteil ihrer Macht entriss und damit das Land vereinte. Obwohl das Gefühl der gemeinsamen Identität unter den Wikingern, wie auch bei den Germanen sehr groß war, kam es gelegentlich zu Auseinandersetzungen untereinander. Des öfteren herrschte ein einziger König über große Reiche, wie z.B. der Wikingerkönig Knut der Große über ganz Skandinavien und England.

 

Sklaven

Der größte Teil der wikingerischen Bevölkerung bestand aus den sogenannten freien Bürgern und Sklaven. Allen Freien war es erlaubt am Thing teilzunehmen und Waffen zu tragen. Die Sklaven dagegen bildeten die niedrigste Schicht in der Gesellschaft der Wikinger.

Die Freien hatten entweder selber Ländereien, oder waren als Landarbeiter im Dienste eines Jarls. Die Sklaven hatten nahezu keine Rechte, und es konnte je nach Belieben mit ihnen verfahren werden. Jedoch wurden zumeist die Tüchtigen und Ehrlichen von ihnen mit einem geringen Lohn bezahlt, worauf sie sich nach einigen Jahren freikaufen konnten.

Die Sklaven setzten sich aus Gefangenen von Raubzügen oder manchmal sogar aus einstmals freien Bürgern zusammen, die entweder alles durch ein Unglück verloren hatten, oder vom Thing verurteilt wurden. Oftmals nahmen die Wikinger auf ihren Heerzügen, christliche Geistliche als Sklaven und erzielten ein hohes Lösegeld.

 

Sie Kommen...

793 überfielen die Wikinger die Insel Lindisfarne (Holy Island) vor der Nordküste Englands. Die Mönche von Lindisfarne waren Künstler und Handwerker. Sie waren berühmt für ihre kunstvoll gestalteten Bibeln und Kelche aus Gold und Edelsteinen. Die Wikinger plünderten 793 Lindisfarne und brannten es nieder.

Aber nicht nur die Britischen Inseln waren den Überfällen der Nordmänner ausgesetzt. Die Norweger zogen meist gen Westen nach Irland und der Insel Man. Die Schweden richteten ihre Aufmerksamkeit über die Ostsee bis nach Russland. Die Dänen und Teutonen hielten sich eher im Südwesten bei Friesland, England und der Normandie auf.

Die Raubzüge wurden aus unterschiedlichen Gründen unternommen. Meist waren es Bauern, die ihren Lebensunterhalt sichern wollten und Kriegsherrn. die nach Beute und Ruhm sehnten, aber auch Siedler und einige Verbrecher, die im Land geächtet waren und sich deshalb an die weite offene See hielten.

Die ersten Angriffe waren heftig, aber selten. Später wurden die Angriffe besser organisiert und von vernichtendem Ausmaß. Selbst große Städte mit riesigen steinernen Schutzwällen wie Paris, konnten die Normannen nicht davon abhalten es mehrmals als Ziel für ihre Raubzüge zu erwählen.

Die Wikinger waren aber nicht nur auf Beute aus, vor allem suchten sie neues fruchtbares Land in Küstengegenden, wo sie sich niederlassen konnten, wie z.B. an der Seine, Friesland, der Insel Walcheren, England, Island, Vinland, Russland und vieler Orte mehr. Nach und nach besiedelten immer mehr Wikinger die neuen Gebiete und vermischten sich mit den Einheimischen, wodurch einige Traditionen und Städtenamen aus dem Altnordischen in ganz Europa zu finden sind.

Die Wikinger unterwarfen z.b des öfteren England, Irland, die Normandie, die Bretagne und Russland. Um 795 begannen die ersten Angriffe der Nordmänner an der irischen Küste und Südengland. Etwas später greift König Godfred von Dänemark sogar das Reich Karls des Großen an. Im Jahre 808 gründeten die Nordgermanen und Dänen Haithabu, welche sich zu einer der wichtigsten Umschlagplätze für Waren aus aller Welt zu jener Zeit entwickelte.

Um 820 fielen die ersten Wikinger über Frankreich her und führten damit die großen Raub- und Plünderzüge durch ganz Europa ein, die gegen 835 an Intensität zunahmen. 841 gründeten die Wikinger die Stadt Dublin. Zwei Jahre später besetzten die Normannen das Frankenreich und zogen nach Spanien. Wieder zwei Jahre später stürmten die Wikinger Paris und versetzten Frankreich in Angst und Schrecken. Nach Jahren des Plünderns und Umherziehens lassen sich die ersten Wikinger an der Seine und in der Bretagne nieder. Nach weiterem Überfällen um 885-886 und späteren Invasionen der Wikinger zu Anfang des 9. Jahrhunderts erhalten die Normannen 911 die heutige Normandie als Tribut für den Frieden und ließen sich dort dauerhaft nieder.

In Nowgorod kommen die Rus (Wikinger) um 860 und später gegen 882 in Kiew an die Macht. 865 landen die Dänen in England und nehmen 866 die Stadt York ein. 875 machten sich die Wikinger auf, um Island zu besiedeln. Ein Jahr später begann die Welle der Kolonisierung Englands. 986 beginnt die Expedition und Besiedelung von Grönland und Nordamerikas.

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